Wer wissen möchte, wie viele Unternehmen in Deutschland bereits künstliche Intelligenz einsetzen, bekommt derzeit sehr unterschiedliche Antworten.
KfW Research meldet 20 Prozent. Das Statistische Bundesamt kommt auf 26 Prozent. Der Digitalverband Bitkom berichtet von 41 Prozent.
Alle drei Zahlen stammen aus aktuellen Untersuchungen. Alle drei können für sich genommen richtig sein. Das Problem liegt nicht in der Statistik. Es liegt darin, aus drei unterschiedlich erhobenen Zahlen dieselbe Aussage machen zu wollen.
Drei Zahlen, drei Grundgesamtheiten
Das Statistische Bundesamt ermittelte für 2025, dass 26 Prozent der Unternehmen in Deutschland künstliche Intelligenz nutzen. Bei Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten waren es 23 Prozent, bei 50 bis 249 Beschäftigten 36 Prozent. Ab 250 Beschäftigten lag der Anteil bei 57 Prozent.
Diese Erhebung umfasst Unternehmen ab zehn Beschäftigten und folgt der europäischen IKT-Unternehmensstatistik. Für einen Vergleich innerhalb Europas ist das hilfreich. Eurostat kommt für 2025 nach derselben Methodik auf einen EU-Durchschnitt von knapp 20 Prozent. Deutschland liegt damit über dem europäischen Mittel. An der Spitze stehen Dänemark mit 42 Prozent, Finnland mit 38 und Schweden mit 35 Prozent.
Bitkom kommt auf einen deutlich höheren Wert. In einer im März 2026 veröffentlichten Befragung von 604 deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten gaben 41 Prozent an, KI bereits einzusetzen. Weitere 48 Prozent planten den Einsatz oder diskutierten darüber. Die Grundgesamtheit ist also schon eine andere. Sehr kleine Unternehmen fehlen vollständig.
Noch einmal anders arbeitet KfW Research. Die im Juli 2026 veröffentlichte Untersuchung kommt auf 20 Prozent KI-Nutzung im deutschen Mittelstand und berücksichtigt auch sehr kleine Unternehmen. Bei einzelnen KI-Technologien weist die KfW ausdrücklich Werte für Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten aus. Hinzu kommt ein wesentlicher Unterschied beim Zeitraum: Gefragt wurde im Frühjahr 2025 danach, ob ein Unternehmen in den Jahren 2022 bis 2024 mindestens eine KI-Technologie genutzt hatte.
Damit messen die drei Untersuchungen nicht dasselbe.
| Quelle | Ergebnis | Erfasste Unternehmen / Zeitraum |
|---|
| KfW Research | 20 % | Mittelstand einschließlich sehr kleiner Unternehmen; Nutzung 2022–2024 |
| Destatis | 26 % | Unternehmen ab 10 Beschäftigten; 2025 |
| Bitkom | 41 % | Unternehmen ab 20 Beschäftigten; Befragung 2026 |
| Eurostat EU | 20 % | Unternehmen ab 10 Beschäftigten; 2025 |
Wer nur die Prozentwerte nebeneinanderstellt, übersieht diese Unterschiede.
Größe allein erklärt die Unterschiede nicht
Eine Gemeinsamkeit der Daten ist deutlicher als die Unterschiede zwischen den Gesamtwerten: Größere Unternehmen setzen KI häufiger ein.
Destatis weist für 2025 bei kleinen Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten 23 Prozent aus, bei mittleren 36, bei Großunternehmen 57 Prozent. Das gleiche Muster zeigt sich europaweit. Laut Eurostat nutzten 2025 rund 17 Prozent der kleinen Unternehmen KI, 30 Prozent der mittleren und 55 Prozent der großen.
Die Unternehmensgröße erklärt aber nicht alles. KfW Research kommt zu dem Ergebnis, dass der Digitalisierungsgrad, vorhandenes digitales Wissen und die Innovationsaktivität enger mit der KI-Nutzung zusammenhängen als die Mitarbeiterzahl allein. Unternehmen mit laufenden Digitalisierungsaktivitäten, höheren Digitalisierungsausgaben und entsprechend qualifizierten Beschäftigten setzen KI häufiger ein.
Für kleinere Betriebe ist das eine wichtige Unterscheidung. Die KfW-Daten zeigen, dass auch unter Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten bereits 13 Prozent Technologien zur Erzeugung natürlicher Sprache einsetzen. Neun Prozent nutzen Texterkennung. Ein kleines Unternehmen kann also früh mit KI arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit steigt allerdings, wenn digitale Strukturen und Wissen bereits vorhanden sind.
Was „KI nutzen" tatsächlich heißt
Die Aussage „20 Prozent nutzen KI" sagt wenig darüber aus, wie diese Unternehmen KI einsetzen.
KfW Research hat deshalb verschiedene Technologien getrennt ausgewertet. Am weitesten verbreitet ist im Mittelstand die Erzeugung natürlicher Sprache mit 14 Prozent. Darunter fallen KI-Assistenten, Textgenerierung, Übersetzung oder Chatbots. Zehn Prozent setzen Technologien zur Analyse oder Erkennung von Texten ein.
Bei anspruchsvolleren Anwendungen fallen die Werte deutlich. Automatisierung und KI-gestützte Entscheidungsunterstützung kommen auf fünf Prozent, Data Analytics auf drei Prozent, autonome Maschinenbewegung auf ein Prozent.
Damit wird ein Problem vieler Debatten über KI-Nutzung sichtbar: Ein Mitarbeiter, der gelegentlich ChatGPT für einen Text verwendet, und ein Unternehmen, das KI in seine Daten, Prozesse und Kundenkommunikation integriert hat, erscheinen in derselben Statistik beide als KI-Nutzer. Wirtschaftlich sind das zwei völlig verschiedene Zustände.
Die reine Nutzerquote beschreibt die Verbreitung der Technologie. Über den digitalen Reifegrad eines Unternehmens sagt sie wenig.
Marketing und Vertrieb als häufigste Einsatzfelder
Eurostat hat für 2025 auch untersucht, wofür Unternehmen ihre KI-Systeme verwenden. Unter den Unternehmen, die bereits KI einsetzten, nutzten 35 Prozent sie für Marketing oder Vertrieb, 31 Prozent für administrative Prozesse oder Managementaufgaben.
Zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede. Im europäischen Einzelhandel nutzten 48 Prozent der KI-einsetzenden Unternehmen ihre Systeme für Marketing und Vertrieb. Im Beherbergungsbereich lag dieser Anteil bei 59 Prozent.
Das passt zu der Art von Anwendungen, die inzwischen leicht zugänglich geworden sind. Für Texte, Kundenkommunikation, Übersetzungen, Angebotsbeschreibungen oder Marketingmaterial muss ein Unternehmen kein eigenes Modell entwickeln.
Komplexer wird es, wenn KI auf interne Daten zugreifen, Geschäftsprozesse automatisieren oder Entscheidungen vorbereiten soll. Dann werden Datenqualität, Schnittstellen, Datenschutz und technische Integration relevant. Genau dort wird aus der Nutzung eines Werkzeugs ein Digitalisierungsprojekt.
Was die Zahlen für kleine Betriebe im Reisevertrieb bedeuten
Für einen Betrieb mit fünf Beschäftigten hilft die Aussage „26 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen KI" nur eingeschränkt. Dieses Unternehmen ist in der Destatis-Statistik gar nicht enthalten. Auch die Bitkom-Zahl von 41 Prozent bildet es nicht ab, weil dort erst ab 20 Beschäftigten befragt wurde.
Für den Reisevertrieb ist das relevant. Ein Reisebüro mit fünf oder acht Beschäftigten kann seinen eigenen Stand nicht mit einer Statistik vergleichen, die erst bei zehn oder zwanzig Beschäftigten beginnt. Die KfW-Untersuchung bildet kleinere Unternehmen zwar besser ab, beschreibt aber den Nutzungszeitraum 2022 bis 2024 und nicht den Stand im August 2026.
Eine belastbare Zahl speziell für die KI-Nutzung deutscher Reisebüros lässt sich aus diesen Untersuchungen nicht ableiten. Erkennbar ist aber, welche Anwendungen bereits zugänglich sind.
Sprach- und Textanwendungen werden auch von sehr kleinen Unternehmen genutzt. Für ein Reisebüro kann das die Vorbereitung von Kundenkommunikation sein, die Aufbereitung von Reiseinformationen, Marketingtexte oder erste Assistenzfunktionen.
Eine andere Stufe wäre erreicht, wenn eine KI einen Reisewunsch strukturiert erfasst, Rückfragen stellt, auf Produktdaten zugreift und daraus passende Angebote vorbereitet. Beides läuft unter dem Begriff KI, der technische und organisatorische Aufwand ist aber kaum vergleichbar.
Die aufschlussreichere Zahl steht am Rand der Statistiken
Eurostat fragte Unternehmen, die KI bislang nicht einsetzen, ob sie eine Nutzung bereits erwogen hatten. 14 Prozent dieser Nichtnutzer hatten sich 2025 konkret damit beschäftigt. Bei mittleren Unternehmen waren es 22 Prozent, bei großen 37 Prozent.
Als häufigstes Hindernis nannten diese Unternehmen fehlendes Fachwissen: 71 Prozent. 53 Prozent verwiesen auf unklare rechtliche Folgen, 49 Prozent auf Datenschutzbedenken. Nur 21 Prozent hielten die Technologie für das eigene Unternehmen schlicht nicht für nützlich.
Die Hürde liegt damit häufig weniger in grundsätzlicher Ablehnung als in der Frage, wie aus einem möglichen Anwendungsfall ein sicherer und sinnvoller Einsatz wird.
KfW Research kommt aus einer anderen Richtung zu einem ähnlichen Punkt. Die Autoren sehen einen Zusammenhang zwischen der Nutzung externer Informationsangebote und dem Einsatz von KI. Sie vermuten, dass schon die Identifikation eines geeigneten ersten Anwendungsfalls für viele mittelständische Unternehmen eine Hürde darstellt.
Das ist die aussagekräftigere Beobachtung hinter den Prozentwerten.
Ob derzeit 20, 26 oder 41 Prozent der Unternehmen KI einsetzen, hängt von Definition, Unternehmensgröße und Befragungszeitpunkt ab. Dass KI in einem erheblichen Teil der Wirtschaft angekommen ist, zeigen alle Untersuchungen. Wie tief sie dort in Prozesse und Geschäftsmodelle eingebaut ist, beantworten die Nutzerquoten nicht.