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KI verändert die Urlaubsplanung: Was Reisebüros jetzt tun müssen
Immer mehr Reisende nutzen Künstliche Intelligenz bei der Suche nach Urlaubszielen, Hotels und Aktivitäten. Für Reisebüros ist das zunächst eine neue Konkurrenz um Aufmerksamkeit. Gleichzeitig könnte genau diese Entwicklung ihre größte Stärke wieder wichtiger machen: persönliche Beratung, Vertrauen und Orientierung. Entscheidend ist allerdings, dass das Reisebüro auch sichtbar bleibt.

Noch vor wenigen Jahren begann die Urlaubsplanung häufig mit Google, Bewertungsportalen oder den Websites großer Reiseveranstalter und Buchungsplattformen. Heute kommt ein weiterer Einstiegspunkt hinzu: Künstliche Intelligenz.
„Wo kann ich im Oktober noch baden und brauche nicht länger als vier Stunden zu fliegen?“
„Welches Hotel auf Mallorca eignet sich für zwei Erwachsene mit zwei Kindern und liegt direkt am Strand?“
„Plane mir eine Woche Kreta für maximal 3.000 Euro.“
Fragen wie diese lassen sich innerhalb weniger Sekunden an ChatGPT, Gemini und andere KI-Systeme stellen. Die Technologie verändert damit einen Teil der Customer Journey, der für Reisebüros schon immer entscheidend war: die Inspiration und Vorauswahl einer Reise.
Wie schnell sich das Verhalten verändert, zeigen aktuelle Zahlen des Digitalverbands Bitkom.
Nach einer im August 2026 veröffentlichten repräsentativen Befragung haben sich bereits 24 Prozent der deutschen Urlauberinnen und Urlauber Reiseziele von einer KI vorschlagen lassen. Weitere 41 Prozent können sich das vorstellen.
Damit sind insgesamt 65 Prozent grundsätzlich offen für KI-Unterstützung bei der Wahl des Reiseziels.
Auch bei der Hotelsuche spielt KI bereits eine Rolle: 19 Prozent haben sich Unterkünfte durch KI empfehlen lassen, weitere 44 Prozent können sich dies künftig vorstellen. Selbst während der Reise werden digitale Assistenten genutzt – etwa für Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Ausflüge oder Routen.
Die Zahlen zeigen: KI ist in der Reiseplanung kein Zukunftsthema mehr.
Sie ist bereits angekommen.
Bedeutet das automatisch, dass Reisebüros künftig weniger gebraucht werden?
Nicht unbedingt.
KI ist besonders stark darin, große Informationsmengen zusammenzufassen, Möglichkeiten gegenüberzustellen und innerhalb kürzester Zeit Vorschläge zu generieren.
Doch zwischen
und
iegt häufig ein erheblicher Unterschied.
Gerade bei einer zwei- oder dreiwöchigen Fernreise, einem Familienurlaub, einer Kreuzfahrt oder einer Reise mit mehreren Bausteinen geht es nicht ausschließlich darum, irgendein passendes Hotel zu finden.
Kunden wollen wissen:
Passt das Hotel tatsächlich zu unseren Erwartungen? Wie gut ist die Lage? Welche Zimmerkategorie sollten wir wählen? Sind die Flugzeiten sinnvoll? Was passiert, wenn sich etwas ändert? Welche Alternative gibt es? Und wem kann ich vertrauen, wenn während der Reise ein Problem entsteht?
Genau hier liegt weiterhin eine der größten Stärken des Reisebüros.
Hinzu kommt: Auch KI-Systeme können falsche, veraltete oder unvollständige Informationen ausgeben. Selbst Bitkom weist bei aktuellen Informationen wie Routen, Öffnungszeiten oder Reisehinweisen darauf hin, Angaben mit verlässlichen Quellen abzugleichen.
Auch die Marktzahlen sprechen gegen die Vorstellung, stationäre Reisebüros seien ein Auslaufmodell.
Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands gibt es in Deutschland weiterhin rund 8.000 stationäre Reisebüros sowie mehrere Tausend mobile Reiseberater.
2025 wurden über stationäre Reisebüros Reisen im Wert von rund 21 Milliarden Euro gebucht. Gleichzeitig erreichte der Umsatz der Reiseveranstalter mit Pauschal- und Bausteinreisen 43,4 Milliarden Euro.
Der Markt ist also vorhanden.
Die eigentliche Herausforderung liegt an anderer Stelle.
Reisebüros müssen es schaffen, ihre Beratungskompetenz in einer zunehmend digitalen Customer Journey sichtbar zu machen.
Der Wettbewerb findet heute nicht erst statt, wenn ein Kunde Preise vergleicht.
Er beginnt deutlich früher.
Google, Instagram, TikTok, Reiseportale, Veranstalter-Websites, Bewertungsplattformen und zunehmend KI-Systeme kämpfen um dieselben wenigen Minuten Aufmerksamkeit.
Für ein stationäres Reisebüro bedeutet das:
Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf einen Kontaktpunkt, der im digitalen Wettbewerb häufig unterschätzt wird:
das eigene Schaufenster.
Jeden Tag laufen Menschen daran vorbei, fahren mit dem Auto vorbei oder warten wenige Meter entfernt an einer Ampel oder Bushaltestelle.
Viele davon beschäftigen sich aktuell oder in den kommenden Monaten mit ihrem nächsten Urlaub.
Das Reisebüro verfügt damit bereits über eine eigene lokale Reichweite – ohne für jeden einzelnen Kontakt an Google, Meta oder andere Plattformen bezahlen zu müssen.
Die Frage ist nur:
In vielen Branchen hat sich die Außendarstellung in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.
Mode, Telekommunikation, Gastronomie, Banken und selbst Apotheken setzen zunehmend auf digitale Displays und dynamische Inhalte.
Im Reisevertrieb findet man dagegen noch immer Schaufenster, in denen gedruckte Angebote über Tage oder Wochen unverändert hängen.
Das steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zum Produkt.
Reisen sind emotional.
Türkisfarbenes Meer. Ein Sonnenuntergang auf Santorini. Ein Kreuzfahrtschiff vor Norwegen. Ein Pool auf den Malediven. Eine Safari in Afrika.
Kaum ein Produkt lässt sich stärker über Bilder und Bewegtbild verkaufen.
Ein digitales Schaufenster kann daraus einen permanent wechselnden Inspirationskanal machen: mit aktuellen Angeboten, Videos, Destinationen, Kreuzfahrten oder kurzfristigen Aktionen.
Und genau dort entsteht die Verbindung zwischen digitaler Technologie und persönlicher Beratung.
Digitalisierung bedeutet dabei nicht, jeden Kunden sofort in einen vollständig digitalen Buchungsprozess zu schicken.
Im Gegenteil.
Die sinnvollste Customer Journey kann sehr unterschiedlich aussehen.
Ein Passant sieht beispielsweise im Schaufenster ein interessantes Angebot für Kreta. Ein QR-Code führt zu weiteren Informationen. Er schaut sich das Angebot auf seinem Smartphone an, speichert es oder sendet eine Anfrage.
Anschließend vereinbart er einen Beratungstermin.
Der digitale Kontaktpunkt hat den Berater nicht ersetzt.
Genau darin liegt eine große Chance für den stationären Vertrieb: Online und Offline nicht länger als Gegensätze zu betrachten.
Je mehr Informationen verfügbar sind, desto einfacher müsste eine Entscheidung eigentlich werden.
In der Realität passiert häufig das Gegenteil.
Zehn Hotels werden zu fünfzig. Drei mögliche Reiseziele werden zu zwanzig. Bewertungen widersprechen sich. Preise verändern sich. Social Media liefert täglich neue Inspiration.
KI wird diese Informationsflut teilweise reduzieren – gleichzeitig aber auch die Zahl individuell erzeugter Empfehlungen drastisch erhöhen.
Für Reiseberater verändert sich dadurch ihre Rolle.
Es geht künftig möglicherweise weniger darum, Informationen überhaupt verfügbar zu machen.
Es geht stärker darum, Informationen einzuordnen und Entscheidungen zu erleichtern.
Der Wert liegt dann nicht darin, dass ein Reisebüro weiß, welche Hotels es auf Mallorca gibt.
Der Wert liegt darin, dass ein guter Berater sagen kann:
„Von diesen fünf Hotels würde ich Ihnen genau dieses empfehlen – und ich erkläre Ihnen auch, warum.“
Das ist eine andere Form von Mehrwert.
Und eine, die sich nur begrenzt automatisieren lässt.
Diese Transformation findet allerdings nicht in einem wirtschaftlich sorgenfreien Umfeld statt.
Das aktuelle DRV-Reisebürobarometer zeigt, dass die Umsätze vieler Reisebüros zwar stabil sind, steigende Personal- und Standortkosten die Ertragslage jedoch zunehmend belasten.
Die durchschnittliche Umsatzrendite der untersuchten Reisebüros lag bei rund zwei Prozent. Besonders kleinere Betriebe stehen unter Druck. Der DRV nennt deshalb unter anderem effizientere Prozesse und die Weiterentwicklung der Ertragsmodelle als wichtige Faktoren für die wirtschaftliche Stabilität.
Digitalisierung sollte deshalb nicht bedeuten, zusätzliche Arbeit zu schaffen.
Sie muss Arbeit reduzieren.
Angebote, Preise, Bilder und Inhalte manuell für verschiedene Kanäle aufzubereiten, ist langfristig kaum sinnvoll. Moderne Systeme sollten vorhandene Daten übernehmen, Inhalte automatisiert aktualisieren und möglichst viele Prozesse im Hintergrund erledigen.
So bleibt mehr Zeit für das, womit ein gutes Reisebüro tatsächlich Geld verdient:
Beratung und Verkauf.
Die entscheidende Frage lautet deshalb wahrscheinlich nicht:
„Wird KI das Reisebüro ersetzen?“
Die interessantere Frage ist:
„Wie verändert sich das Reisebüro, wenn Kunden KI selbstverständlich nutzen?“
Kunden werden auch künftig googeln.
Sie werden auf Instagram Reisevideos sehen.
Sie werden Bewertungen lesen.
Und sie werden ChatGPT oder andere KI-Systeme nach Urlaubsideen fragen.
Das lässt sich nicht zurückdrehen.
Das Reisebüro muss diese Entwicklung aber auch nicht bekämpfen.
Seine Chance liegt darin, dort stark zu sein, wo digitale Systeme an Grenzen stoßen: bei persönlicher Einschätzung, Vertrauen, Erfahrung, komplexen Entscheidungen und im direkten Kontakt.
Dafür muss der stationäre Reisevertrieb allerdings selbst Teil der digitalen Customer Journey werden.
Nicht nur am Computer hinter dem Schreibtisch.
Sondern bereits dort, wo der erste Kontakt entsteht.
Im Schaufenster. Auf dem Smartphone. Und schließlich im persönlichen Gespräch.
Genau dieser Gedanke steht auch hinter montis.
Digitale Schaufenster und Displays sollen nicht aus einem Reisebüro einen anonymen Online-Shop machen. Sie sollen vorhandene Angebote und Inhalte sichtbar machen, Aufmerksamkeit erzeugen und den Übergang vom Schaufenster zum Smartphone und anschließend zur persönlichen Beratung erleichtern.
Denn möglicherweise ist das erfolgreiche Reisebüro der Zukunft weder rein analog noch vollständig digital.
Es verbindet beides.
Quellen & Hinweise
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