Reisevertrieb

Der Kampf um den Kunden beginnt vor der Suche

KI wartet nicht mehr darauf, dass Kunden nach einer Reise suchen. Systeme wie Kira zeigen, wie Reisebüros ihre Daten künftig nutzen können, um früher präsent zu sein. Damit verschiebt sich der Wettbewerb um den Kunden deutlich nach vorne.

Reisebüro mit digitalem Schaufenster als Verbindung zwischen KI, Kundenansprache und persönlicher Beratung
montis Insights / KI-generierte eigene Darstellung

Künstliche Intelligenz verändert den Reisevertrieb gerade an einer entscheidenden Stelle. Systeme warten nicht mehr nur darauf, dass ein Kunde eine Frage stellt. Sie können vorhandene Kundendaten auswerten, Interessen erkennen, Angebote vorbereiten und selbstständig Impulse setzen. Für Reisebüros verschiebt sich damit der Wettbewerb um den Kunden deutlich nach vorne: Er beginnt zunehmend, bevor der Kunde überhaupt aktiv nach seiner nächsten Reise sucht.

Von der KI-Suche zum KI-Vertrieb

Dass künstliche Intelligenz bei der Reiseplanung angekommen ist, zeigen bereits die Suchgewohnheiten. Nach Angaben von Google stiegen die Suchanfragen nach „KI für Urlaubsplanung“ in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um 280 Prozent. „Reise planen mit KI“ legte um 250 Prozent zu.

Reisende nutzen KI damit längst nicht mehr nur zum Experimentieren. Sie vergleichen Flüge, lassen sich Reiserouten zusammenstellen, suchen Hotels oder entwickeln aus wenigen Vorgaben komplette Urlaubsideen.

Auch die großen Plattformen bauen diese Möglichkeiten weiter aus. Googles KI-Modus kann komplexe Reiseanfragen beantworten und Informationen zu Flügen, Hotels und Reisezielen zusammenführen. Ende August 2026 kündigte Google weitere Funktionen an, mit denen unter anderem Flugpreise direkt im KI-Modus überwacht und in den USA Hotels aus diesem Prozess heraus gebucht werden können.

Für den Reisevertrieb bedeutet das zunächst: Kunden erhalten immer leistungsfähigere Werkzeuge für ihre eigene Recherche.

Die interessantere Entwicklung findet aber auf der anderen Seite statt.

Die KI wartet nicht mehr auf eine Aufgabe

Bisher wurde künstliche Intelligenz im Reisebüro häufig als Werkzeug betrachtet: Ein Mitarbeiter stellt eine Frage, lässt einen Text erstellen oder bittet um Vorschläge. Die KI reagiert.

Agentic AI geht einen Schritt weiter. Vereinfacht gesagt können solche Systeme innerhalb definierter Regeln selbstständig Aufgaben anstoßen und durchführen. Sie reagieren also nicht ausschließlich auf einen einzelnen Prompt, sondern können Prozesse im Hintergrund übernehmen.

Genau diese Entwicklung erreicht jetzt den stationären Reisevertrieb.

Kira zeigt, wohin sich der Reisevertrieb bewegt

Ein aktuelles Beispiel liefert Schmetterling International. Ab dem 1. Oktober 2026 soll die KI-Assistentin Kira den angeschlossenen Reisebüros zur Verfügung stehen.

Kira bündelt verschiedene KI- und Marketingfunktionen und soll vorhandene Kundendaten nutzen, um Reisebüros bei einer aktiveren Kundenansprache zu unterstützen.

Dazu gehören unter anderem Inspirationsnewsletter, kundenspezifische Angebots-E-Mails, Social-Media-Inhalte sowie automatische Kommunikation vor und nach einer Reise. Auch Zusatzleistungen wie Versicherungen, E-Sims oder Mietwagen können in diese Prozesse einbezogen werden. Gleichzeitig soll die KI Kundenprofile kategorisieren und weiterentwickeln.

Der entscheidende Punkt daran ist nicht, dass eine KI einen Newsletter schreiben kann. Das können generative Systeme längst.

Entscheidend ist, dass aus vorhandenen Daten selbstständig ein Anlass für Kundenkommunikation entstehen kann.

„Wer seine Kunden nicht aktiv anspricht, überlässt sie dem Wettbewerb.“

Schmetterling International zur Einführung von Kira

Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, worum es bei der Entwicklung geht.

Das eigentliche Problem entsteht vor der Buchung

Der Wettbewerb zwischen Reisebüro und Online-Vertrieb beginnt nicht erst in dem Moment, in dem ein Kunde einen Preis vergleicht.

Er beginnt wesentlich früher.

Wer bereits mehrere Abende bei Google, auf Veranstalterseiten, Vergleichsportalen oder Social Media recherchiert hat, hat häufig schon eine Vorauswahl getroffen. Vielleicht steht das Ziel bereits fest. Vielleicht kennt der Kunde sein Wunschhotel. Vielleicht existiert längst eine konkrete Preisvorstellung.

Das Reisebüro kommt dann vergleichsweise spät in die Customer Journey.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Wie überzeugen wir einen Kunden in der Beratung?

Sondern zunehmend:

Wie erreichen wir ihn, bevor seine Entscheidung weitgehend gefallen ist?

Gerade im aktuellen Markt gewinnt diese Frage an Bedeutung. Laut Zahlen des Backoffice-Anbieters Tats lag der Auftragseingang touristischer Reisebürobuchungen im Juli 2026 8,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Als Belastungsfaktoren werden unter anderem hohe Preise und Cashback-Angebote von Online-Portalen genannt.

Gegen diese Anbieter ausschließlich über den Preis anzutreten, ist für viele stationäre Reisebüros kaum die aussichtsreichste Strategie.

Ein anderer Hebel besteht darin, früher präsent zu sein.

Der Datenschatz ist häufig längst vorhanden

Genau hier besitzen viele Reisebüros einen Vorteil, den sie bislang nur begrenzt nutzen können: Sie kennen ihre Kunden.

Ein Stammkunde hat möglicherweise mehrfach Kreuzfahrten gebucht. Eine Familie reist bevorzugt während der Schulferien. Andere Kunden interessieren sich regelmäßig für hochwertige Fernreisen, bestimmte Veranstalter oder eine bestimmte Art von Hotel.

Über Jahre entstehen Informationen zu Reisezielen, Reisezeiträumen, Budgets und Vorlieben.

Für einen Mitarbeiter ist es kaum realistisch, täglich hunderte Kundenprofile durchzugehen und zu überlegen, bei wem gerade welches Angebot einen Reiseimpuls auslösen könnte.

Genau hier kann Automatisierung ihre Stärke ausspielen.

Aus

„Der Kunde meldet sich, wenn er wieder reisen möchte.“

wird

„Wir geben dem Kunden einen passenden Impuls, bevor er selbst mit der Suche beginnt.“

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Aus Kundendaten muss Kundenkontakt werden

Die Daten allein bringen allerdings noch keinen zusätzlichen Umsatz. Entscheidend ist, ob daraus ein relevanter Kontakt entsteht.

Newsletter, E-Mail, Instagram, WhatsApp und Kundenportale gehören inzwischen zu den möglichen Kanälen. Je stärker die Auswahl geeigneter Inhalte automatisiert wird, desto einfacher lässt sich auch die Kommunikation über diese Kanäle steuern.

Das Prinzip dahinter ist immer ähnlich:

Ein System erkennt einen Anlass, wählt einen passenden Inhalt und bringt ihn über einen geeigneten Kontaktpunkt zum Kunden.

Doch der stationäre Reisevertrieb besitzt noch einen weiteren Kontaktpunkt.

Was ein Schaufenster kann – und was nicht

Ein Bildschirm im Schaufenster weiß nicht, wer davorsteht. Er kennt keine Buchungshistorie, kein Budget und keine Reisevorlieben.

Alles, was den ersten Teil dieses Textes trägt – Kundendaten, Segmentierung und der passende Impuls zur passenden Zeit – funktioniert dort nicht.

Trotzdem gehört der Standort in dieselbe Überlegung. Nur aus einem anderen Grund.

Der Engpass am Schaufenster war nie die Zielgenauigkeit. Es war der Aufwand. Ein Angebot auszudrucken, aufzuhängen und später gegen ein aktuelles auszutauschen, kostet Zeit, die im Tagesgeschäft an anderer Stelle gebraucht wird.

Gleichzeitig ändern sich Preise, Verfügbarkeiten und Angebote laufend. Ein statisches Plakat kann mit dieser Geschwindigkeit kaum mithalten.

Genau dieser Aufwand fällt weitgehend weg, wenn die Angebote ohnehin digital vorliegen. Dieselben Angebotsdaten, die für digitale Kundenansprache genutzt werden, können auch das Schaufenster aktuell halten.

Nicht personalisiert, aber aktuell.

Nicht auf den einzelnen Kunden zugeschnitten, aber beispielsweise auf Saison, Abflughafen, Zielgebiet oder aktuelle Angebote.

Dazu kommt ein zweiter Unterschied.

Das Schaufenster erreicht Menschen, die in keinem Kundenverzeichnis stehen.

Wer bei Google „Hotel Mallorca Oktober“ eingibt, besitzt bereits eine konkrete Reiseabsicht. Wer auf dem Weg durch die Innenstadt ein attraktives Reiseangebot sieht, bekommt diesen Impuls möglicherweise erst in diesem Moment.

Über einen QR-Code kann aus diesem anonymen Kontakt anschließend ein digitaler Kontakt werden. Der Interessent landet bei einem konkreten Angebot, einer Landingpage oder einer Kontaktmöglichkeit.

Und damit beginnt genau die Datenspur, die für die weitere Customer Journey entscheidend werden kann.

In eigener Sache

An dieser Verbindung arbeiten wir mit montis.

montis konkurriert nicht mit Assistenten wie Kira. Was solche Systeme an Angeboten und Inhalten erzeugen, braucht Kanäle, über die es Menschen erreicht. Der eigene Standort ist einer davon.

Der Ablauf ist bewusst unspektakulär. Ein Angebot, das im Reisebüro ohnehin vorhanden ist, wird ausgewählt und an montis übertragen. Danach läuft es auf dem Bildschirm im Schaufenster.

Kein zweites Redaktionssystem, keine Bildbearbeitung, kein Druck.

Angebunden sind Systeme, mit denen Reisebüros ohnehin arbeiten – unter anderem Bistro, Amadeus, Traffics, PaxConnect, Axolot, Bosys UI Office und Cruise Compass.

Das ist weniger eine technische Leistung als eine Voraussetzung. Ein Kanal, der dauerhaft eigene Pflege braucht, wird im Tagesgeschäft nicht gepflegt.

In einer internen Befragung unter montis-Kunden gaben mehr als 75 Prozent an, seit dem Einsatz von montis mehr Kunden in ihrem Reisebüro wahrzunehmen.

Mehr Automatisierung bedeutet nicht automatisch bessere Kommunikation

So groß die Möglichkeiten sind, die Entwicklung bringt auch ein neues Problem mit sich.

Wenn Systeme immer leichter Newsletter, Angebote, Social-Media-Beiträge, Geburtstagsgrüße und andere Nachrichten erzeugen können, steigt nicht automatisch deren Wirkung.

Im Gegenteil: Je einfacher Kommunikation produziert werden kann, desto größer wird das Risiko austauschbarer Inhalte.

Die technische Frage lautet künftig immer seltener:

Können wir diesen Kunden automatisch erreichen?

Technisch wird die Antwort immer häufiger Ja lauten.

Die wichtigere Frage ist:

Haben wir gerade etwas Relevantes zu sagen?

Gute Automatisierung muss deshalb nicht nur produzieren. Sie muss auswählen.

Nicht jeder Kunde braucht jede Woche ein neues Angebot. Nicht jeder Trend passt zu jedem Reisebüro. Und nicht jeder Kontaktpunkt benötigt dieselbe Botschaft.

Qualität der Daten, Relevanz der Inhalte und der richtige Zeitpunkt werden damit wichtiger – nicht unwichtiger.

Persönliche Beratung bekommt eine andere Aufgabe

Das klingt zunächst paradox: Je mehr Aufgaben KI übernimmt, desto stärker kann der persönliche Kontakt an Bedeutung gewinnen.

Denn Reiseplanung besteht nicht nur aus Daten.

Ein Familienurlaub mit drei Kindern, eine Hochzeitsreise oder eine komplexe Rundreise lassen sich technisch vergleichen. Vertrauen, Erfahrung und persönliche Einschätzung bleiben trotzdem wichtige Faktoren.

Die Stärke der Technologie liegt deshalb nicht zwingend darin, den Reiseberater aus dem Prozess zu entfernen.

Sie kann vielmehr einen Teil der Arbeit übernehmen, die rund um die eigentliche Beratung entsteht: Kunden erkennen, Interessen verstehen, Angebote vorbereiten, Inhalte aktualisieren und neue Impulse setzen.

Entscheidend ist, dass am Ende überhaupt ein Kontakt entsteht.

Der Reisevertrieb wird proaktiv

Die wichtigste Veränderung durch Agentic AI ist nicht, dass Computer Reisen verkaufen. Sie ist, dass Vertrieb nicht mehr auf eine Anfrage wartet.

Ein Reisebüro kann seine Kunden erreichen, bevor sie googeln. Es kann Inspiration liefern, bevor ein Ziel feststeht. Und es kann seine digitalen und physischen Kontaktpunkte als zusammenhängenden Vertrieb betrachten statt als zwei getrennte Welten.

Kira zeigt, wie schnell sich diese Entwicklung gerade bewegt, und weitere Systeme werden folgen.

Die Frage ist deshalb nicht, ob KI im Reisevertrieb eine Rolle spielt.

Sondern wer sie früh genug nutzt, um beim Kunden präsent zu sein, bevor es jemand anderes ist.

Wie funktioniert der Schaufenster-Teil konkret?

In einer kurzen Live-Demo zeigen wir montis anhand echter Anwendungen und erklären, wie Reiseangebote aus den vorhandenen Systemen automatisiert auf den Bildschirm gelangen.

Kostenlos und unverbindlich.

Live-Demo anfragen

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Quellen & Hinweise

  1. Google Trends: So reist Deutschland 2026
    Google Deutschland
  2. 3 new ways to plan and book travel in Search
    Google
  3. Kira: Unsere Antwort auf die Online-Konkurrenz
    Schmetterling International GmbH & Co. KG
  4. Reisebüro-Umsätze: Das Minus wächst weiter an
    touristik aktuell

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